Spürnase arbeitete in Schicht
70 Polizeibeamte waren am Voov-Wochenende im Einsatz
CLAUDIA BIHLER
PUTLITZ "Wir machen keine Unterschiede zwischen Prignitzer und auswärtigen Fahrzeugen", sagte Polizeihauptkommissar Peter Reichwald, "so lange es die Lage erlaubt, halten wir alle Fahrzeuge an." Üblicherweise ist Reichwald der Leiter der Wittenberger Polizeiwache, am Wochenende verlegte er seinen Dienstort ins Zelt auf einer Wiese vor Putlitz. "Besondere Aufbauorganisation" nannte sich der Großeinsatz, den die Polizei am Wochenende anlässlich der Voov-Experience in Putlitz durchgeführt hat und Reichwald erklärt: "Besonders Lagen erfordern besondere Organisation."
Vier Zelte waren an der Straße nach Mansfeld aufgebaut, in denen sowohl die Schutz- wie auch die Kriminalpolizei komplette mobile Büros nutzen konnten. Hinzu kam ein Versorgungs- und ein Arztzelt, ein Funkmast und eine mobile Flutlichtanlage. An der Straße aus Richtung Lockstädt gab es einen weiteren, etwas kleineren Kontrollpunkt. Insgesamt 70 Beamte waren am Wochenende im Einsatz, die Prignitzer Polizei wurde dabei unterstützt von Einheiten der Bereitschaftspolizei aus Potsdam und Oranienburg. Nicht nur an den beiden Verkehrskontrollstellen an der Straße zum Festgelände, auch in der Logistik, als Sachbearbeiter oder bei der Kripo arbeiteten Beamte im 24-Stunden-Dienst. War auch in der übrigen Region mehr Polizei unterwegs als normalerweise, so waren an den Zufahrtsstraßen zum Festgelände zwei Verkehrskontrollpunkte aufgebaut. "Wir kontrollieren sowohl den technischen Zustand der Fahrzeuge als auch die Papiere der Fahrer. Aber nur bei einem Verdacht prüfen wir auch, ob Alkohol oder Drogen im Spiel sind." Dann kamen auch die Rauschgiftspürhunde zum Einsatz, wie der Schäferhund Luc aus Oranienburg mit Hundeführer Hauptmeister Dietmar Schmidt. Die Hunde allerdings arbeiteten in strenger Acht-Stunden-Schicht: "Längere Dienstzeiten halten ihre Nasen nicht aus", erklärt der Pressesprecher der Prignitzer Polizei, Andreas Fackendahl.
Insgesamt hatte die Polizei von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend 24 Blutentnahmen durchgeführt, bei denen 16 Fahrer Drogen konsumiert hatten, und sieben Mal stellten die Beamten Alkohol am Steuer fest.
"Bei kleineren Verstößen konnten wir die Fälle auch gleich hier vor Ort abarbeiten", sagte Reichwald, "das ist auch bequemer für die Festivalbesucher gewesen, denn wir mussten mit ihnen nicht erst nach Pritzwalk fahren und sie konnten schneller zum Festivalgelände gehen." Manche der Besucher hatten bereits von sich aus gesagt, dass sie Joints dabei haben, berichtet Reichwald, aber in einem Fall zumindest hatten die Beamten am Samstag auch eine erhebliche Menge Drogen festgestellt: Mehrere hundert Ecstasy-Pillen beschlagnahmten die Beamten - in diesem Fall wurde eine vorläufige Festnahme ausgesprochen, die Staatsanwaltschaft übernahm den Fall.
Andreas Fackendahl: "Es ging der Polizei dabei nicht darum, die Veranstaltung zu boykottieren." Verkehrskontrollen habe es auch in der Vergangenheit schon gegeben, und tatsächlich seien regelmäßig während des Festivals die Zahl der Feststellungen von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz gestiegen, "was sicherlich teilweise auch auf die intensiveren Kontrollen zurückzuführen ist." |
Ein schönes Fest mit schalem Beigeschmack
Voov Experience: Kritik aus Putlitz an der Polizei / Becker und Staatsanwaltschaft verteidigen Einsatz
BERND ATZENROTH
WOLFGANG THÄTNER
PUTLITZ/PERLEBERG Harsche Kritik musste sich die Polizei von Putlitzer Stadtverordneten für ihren Einsatz während der Voov Experience gefallen lassen. Gängige Auffassung: Dieser sei übermäßig gewesen. Die CDU-Fraktion im Stadtparlament will sich deswegen sogar beim Innenministerium beschweren. Manche Putlitzer Autofahrer seien bis zu fünf Mal kontrolliert worden, hieß es. Außerdem seien die Besucher auf dem Gelände geblieben, sodass die Stadt nicht wirtschaftlich von ihnen profitieren habe können.
Wolfgang Ahrens von der Voov Experience zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Es habe erhebliche Schwierigkeiten gegeben, trotz der schon im vorab geklärten Aufgabenverteilung zu wichtigen Fragen der Ordnung und Sicherheit mit der Polizei bei dieser Großveranstaltung. Gut und unbürokratisch sei die Zusammenarbeit mit dem Amt Putlitz-Berge, betonte Wolfgang Ahrens. "Wir haben in diesem Jahr weniger Besucher registriert." Er machte dafür "die bundesweite Schlechtwetterlage" verantwortlich, aber auch den Großeinsatz der Polizei. Denn wer wolle schon rund um die Uhr bei einer Feier kontrolliert und bewacht werden? Zur Frage, ob die Voov Experience auch im nächsten Jahr stattfindet, konnte Wolfgang Ahrens noch keine Auskunft geben.
"Es hat den Anschein, dass hier eine ganze Stadt kriminalisiert werden soll", sagte Bernd Dannemann beim abschließenden Treffen der Sicherheitsverantwortlichen im Amt Putlitz-Berge. "Dass die Polizei präsent sein muss, ist für mich selbstverständlich", erklärte er auf MAZ-Nachfrage, "aber ich vermisse an 51 Wochen des Jahres häufig Polizeipräsenz. Hätte man Präsenz nicht etwas weniger repressiv gestalten können?" Außerdem fragt sich Dannemann, warum die Kontrollen eineinhalb Kilometer vor dem Gelände sein mussten. Dies sei wie eine Barriere gewesen, die den Austausch mit der Stadt verhindert habe. Dabei betonte der Bürgermeister auch, die Augen nicht vor dem Verbotenen verschließen zu wollen.
Jedoch wollen sich die Putlitzer ihre Voov auch nicht kaputtmachen lassen. Für viele war es ein schönes Fest mit annähernd 10 000 jungen Menschen aus der ganzen Welt. Das begeistert auch ältere Putlitzer wie etwa den Rentner Günter Huth. Er kennt mittlerweile viele von den jungen Menschen, die Jahr für Jahr nach Putlitz reisen. "Es ist angenehm, sich bei einem Becher Kaffee mit ihnen zu unterhalten und dabei zu erfahren, wie sie in ihrem Land leben, als was sie arbeiten und bei sprachlichen Schwierigkeiten findet sich immer jemand, der übersetzen kann", sagte Günter Huth. Bernd Dannemann befürchtet nun, dass all dies auf der Strecke bleibt, weil die Polizeipräsenz auf die Besucher der Goa-Party abschreckend wirkt.
"Wenn Bürger in Putlitz sich kriminalisiert fühlen, war das nicht unsere Absicht", betonte demgegenüber gestern der Prignitzer Schutzbereichsleiter Udo Becker bei einem Pressegespräch. Er erklärte sich zudem bereit, zum Sachverhalt vor den Putlitzer Stadtverordneten Stellung zu nehmen, und zeigte sich offen für Vorschläge, etwa spezielle Durchfahrttickets für Putlitzer Bürger. Aber Becker ließ keinen Zweifel daran, dass er von der Richtigkeit der polizeilichen Strategie überzeugt ist. Im Hinblick auf eine nächste Voov im Jahr 2007 sagte er: "Wir werden auch wieder präsent sein."
Ziel des Einsatzes sei es, so Becker, gewesen, Gefahren für die Bürger abzuwenden und Straftaten zu verfolgen und ahnden. Deren gab es während der Voov nach Beckers Angaben 204, davon allein 131 Delikte mit Betäubungsmitteln, also Drogen. 17 Mal wurde der Handel mit Drogen aufgedeckt. Von den 92 Verkehrsdelikten, die festgestellt wurden, waren 83 Fahrten unter Einfluss von Betäubungsmitteln. In sechs Fällen fuhren die erwischten Fahren unter Einfluss von Alkohol im Straftatbereich, drei Mal zudem wurde Fahren ohne Führerschein festgestellt.
140 Straftäter wurden dingfest gemacht. Soll heißen: Es gab viele, die mehrfach erwischt wurden. 85 davon waren Deutsche. Die restlichen kamen unter anderem aus den skandinavischen Ländern, aus den Niederlanden, der Türkei und aus Israel. Zwei Haftanträge wurden gestellt. 19 Personen wurden zeitweilig in Gewahrsam genommen.
Nur bedingt erfolgreich gestalteten sich die Ermittlungen in Sachen Drogenhandel. Bei Dealern wurden insgesamt 3064,50 Euro Geld "in szenetypischer Stückelung", wie Becker es formulierte, sichergestellt. Gefunden wurden 707 Einheiten Ecstacy, 42 Einheiten LSD, 38,8 Gramm Kokain, 6,8 Gramm Speed, 204,5 Gramm Amphetamine, 165 Gramm Cannabis und 41,1 Gramm Pilze. Becker meinte, dies seien nur vergleichsweise kleine Mengen. Er begründete dies damit, dass Dealer sowohl Drogen als auch Geld nur in kleinen Einheiten dabei hatten. So habe man nicht nachweisen können, ob Nachschub aus Depots besorgt worden sei. Immerhin seien einige Dealer doppelt ins Netz gegangen.
Becker verteidigte auch den ebenfalls kritisierten Hubschraubereinsatz. Dieser sei notwendig geworden, um eine Person zu suchen. Die deutsche Staatsbürgerin habe unter Einfluss von Betäubungsmitteln zunächst versucht, einen Mast zu erklimmen, und sei anschließend mit einem Wagen der Sicherheitsfirma verschwunden. Bei Putlitz habe sie dann auch noch ein Handy mitgehen lassen. Das Securitas-Auto sei per Hubschrauber gesucht und verlassen aufgefunden worden. Die Frau war zwar verschwunden, doch gibt es laut Becker Angaben über sie, die helfen werden, sie aufzufinden.
Bei Putlitz wurde außerdem eine Person nackt und hilflos aufgegriffen und nach Perleberg ins Krankenhaus gebracht. Die Person lehnte aber eine Behandlung ab und wurde letztlich wieder zum Festivalgelände zurückgebracht. Am Abreisetag wurde eine Schwedin in Gewahrsam genommen, die sich weigerte, das Festivalgelände zu verlassen. Als es bei ihr zu starken Entzugserscheinungen gekommen sei, habe sie in der Klinik behandelt werden müssen.
Insgesamt wurde der Einsatz einen Tag länger gefahren als in den vergangenen Jahren. So gingen den Beamten am Abreisetag viele Autofahrer ins Netz, die unter Drogeneinfluss gestanden hätten. Da dies aber auch oft für alle anderen Mitfahrer im Auto gegolten habe, habe man viele Fahrzeuge wieder zum Ausnüchtern auf das Veranstaltungsgelände zurückgeschickt.
"Ich bin froh, dass kein Bürger geschädigt wurde", freute sich Becker angesichts solcher Fakten. "Ich möchte aber nicht wissen, was gesagt worden wäre, wenn etwas passiert wäre." Als übermäßig sah er den Einsatz denn auch nicht an: Es sei nicht unüblich beim Polizeieinsatz solche Stärken vorzusehen. "Klar hat der Einsatz Geld gekostet", meinte er.
Unterstützung fand die Polizei mit ihrer Haltung bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin. Die Goa-Partys in der
Prignitz würden seit Jahren mit dramatisch zunehmender Tendenz zum Erwerb von und zum teilweise umfangreichen Handel mit Betäubungsmitteln aller Art missbraucht, erklärte die Staatsanwaltschaft Neuruppin in einer Pressemitteilung. Die Partys seien für Rauschgiftdealer wirtschaftlich derart interessant, dass sie regelmäßig aus dem europäischen und auch außereuropäischen Ausland anreisten. Dieser Rauschgifthandel müsse durch die Polizei präventiv und repressiv begleitet werden, und das mit einem der Größe der Veranstaltung und dem Umfang des Rauschgifthandels angemessenen Personalaufwand.
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Goa-Szene trifft sich hier
Besucher aus aller Welt zu Gast / Polizei zieht Zwischenbilanz
Putlitz (Von Hanno Taufenbach) • Thailändische Curry-Suppe, indische Räucherstäbchen, zuckende Laserblitze, arabische Teezelte - die Goa-Party bietet mehr als nur Tanz bis zur Erschöpfung. Die deutschen Kennzeichen an den Autos zu zählen, wäre vergebene Mühe. Da ist es gleich leichter, den Straßenatlas aufzuschlagen: Von A wie Augsburg bis ZZ wie Zeitz dürften zahlreiche Regionen auf den großen Campflächen der Goa-Party vertreten sein. Hinzu kommen Gäste aus dem Ausland. Massa zum Beispiel aus Japan via London. Noch nicht einmal seinen Rucksack hat er abgelegt und fotografiert pausenlos, so überwältigt ist er von seinen Eindrücken.
Carlos und seine Frau Erna wohnen in Chile. Zwei Jahre lebten sie in Indien, Heimat der Goa-Bewegung, unterrichten dort unter anderem Englisch an Armenschulen, lernten dort die Goa-Szene kennen und lieben. Jetzt genießen sie die entspannte Atmosphäre in Putlitz. „Hier ist es völlig stressfrei“, beschreibt Carlos die Atmosphäre und zeigt auf das gegenüberliegende Zelt. Auf Strohballen oder Teppichen sitzen dort Leute, trinken Kaffee und Tee, schwatzen miteinander. Andere liegen einfach nur mit geschlossenen Augen, lauschen der Musik im Hintergrund.
Aber die Atmosphäre so einer Goa-Party ist ganz verschieden. An den Bühnen wummert die Musik, Körper zucken mit Laserblitzen um die Wette, andere liegen völlig erschöpft auf dem Grasboden. „All das gehört zur Voov dazu“, erzählt Lara. Sie und ihr Partner Horst sind zusammen mit dem ältesten Sohn Yannick aus der Nähe von Potsdam angereist.
Beide kennen die Voov, wie die Goa-Party auch genannt wird, seit ihren Anfängen vor 15 Jahren. Keine Party ließen sie aus, doch dann kamen die Kinder und damit eine Voov-Zwangspause. Nun sind sie nach vielen Jahren wieder hier. Ihr erster Eindruck: „Es ist familärer geworden.“ Der Basar und mit ihm die Einkaufsmöglichkeiten seien deutlich größer. Jetzt am Nachmittag sitzen sie noch am Zelt, abends werden sie zu den Bühnen gehen.
Sohn Yannick ist gespannt, weiß nicht genau, was ihn erwartet, auch wenn ihm seine Eltern viel erzählt haben: „Es wird ganz bestimmt Spaß machen“, ist er sich sicher.
Hingegen wirkt der sechsjährige Noah wie ein Profi. Er hat seine Eltern schon häufiger begleitet. Zusammen mit Ralf, einem Freund seiner Eltern, fährt er übers Gelände. „Hier treffe ich Freunde wieder, die ich sonst in Brasilien oder Indien sehe, es gibt die neuesten Partyklamotten und das Gelände bei Putlitz ist einfach hervorragend“, weiß Ralf auf Anhieb ganz viele Gründe, warum die Voov bei Putlitz weltweit eine der bekanntesten Partys in der Szene ist.
Klar gebe es zahlreiche Clubs, in denen die gleiche Musik spielt, aber das sei mit so einer Open-Air-Party nicht vergleichbar. „Die frische Luft, das riesige Gelände und durch die Weitläufigkeit ist es längst nicht so laut, man kann sich unterhalten“, sagt er und mixt sich einen neuen Eiscafé. Er liebt Eiscafé.
Die Veranstalter haben mit den Jahren für diese Großveranstaltung eine ausgefeilte Logistik entwickelt. Duschen und Toiletten gibt es reichlich, bei der Anreise werden mit Pfand belegte Müllsäcke ausgeteilt, die gefüllt wieder abgegeben werden müssen. Die einzelnen Wege haben richtige Straßennamen erhalten, es gibt ein Fundbüro und einen Informationspunkt.
Seit Jahren schon ist die Sondereinsatzgruppe (SEG) Pritzwalk des DRK ein wichtiger Partner. „Von Donnerstag 18 Uhr bis Montag 18 Uhr sind wir hier pausenlos im Einsatz“, berichtet SEG-Leiter Orloff Müller. Rund 30 DRK-Mitglieder sichern diese Bereitschaft ab, behandeln leichte Verletzungen oder rufen im Ernstfall den Notarzt herbei. In diesem Jahr sei es verhältnismäßig ruhig, dank der niedrigeren Temperaturen gebe es deutlich weniger Kreislaufprobleme, zieht Orloff Müller eine Zwischenbilanz.
Mehrere Festnahmen im Zusammen mit Drogen, darunter sei mindestens ein Dealer, zog die Polizei gestern Abend eine Zwischenbilanz. 62 Strafanzeigen wurden aufgenommen, 45 Delikte im Zusammenhang mit Drogen, 24 Fahrten unter Drogen- und zwölf Fahrten unter Alkoholeinfluss. Die Beamten waren rund um das Veranstaltungsgelände im Einsatz, mit Zivilkräften auf dem Platz und kontrollierten an der Zufahrtsstraße pausenlos an- und abfahrende Autos.
Manch ein Partygast fragt sich, ob der betriebene Aufwand gerechtfertigt sei. Zum Thema Alkohol am Steuer und Fahren unter Drogen hat Ralf eine eigene Meinung: „Beides ist unverantwortlich und völlig überflüssig. Hierher müsste niemand mit dem Auto kommen. Ich kenne keine weitere Goa-Party, zu der man so bequem mit dem Zug anreisen kann.“ |
Haftbefehl und nackte Tatsachen
Polizei zieht ihre Bilanz zur Goa-Party / keine spektakulären Drogenmengen
Eingezogene Drogen
Die Polizei hat im Zusammenhang mit der Goa-Party folgende Drogenmengen eingezogen:
707 Ecstasy-Pillen; 42 LSD-Einheiten; 38,8 Gramm Kokain, 6,8 Gramm Speed; 204,5 Gramm Amphetamine; 165 Gramm Cannabis; 41,1 Gramm Pilze.
Aus Sicht des Prignitzer Polizeichefs Udo Becker war der Einsatz zur Goa-Party ein Erfolg. Gestern gab er die Statistik bekannt. Zu dem Vorwurf von Putlitzer Stadtverordneten, er und sein Stellvertreter wollen sich profilieren, gibt Becker keine Stellungnahme.
Prignitz
Von Hanno Taufenbach
Von Donnerstag bis zum zurückliegenden Dienstag waren pro Schicht rund um die Uhr 60 bis 70 Beamte im Einsatz. „Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen, zu bestrafen und die Sicherheit der Anwohner zu gewährleisten, sind unsere Aufgaben und genau das haben wir getan", sagte Udo Becker auf der gestrigen Pressekonferenz.
Deshalb bezeichnete er den Einsatz auch als einen Erfolg. Keine Person sei ernsthaft zu Schaden gekommen, es habe keine Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit der Goa-Party gegeben. Aber die Beamten hätten dennoch reichlich Arbeit gehabt: 204 Straftaten wurden registriert, darunterfallen 131 Delikte mit Betäubungsmitteln. In 17 Fällen wurde der Handel mit Drogen festgestellt, gegen zwei Personen Haftbefehl gestellt. „Einer sitzt bereits in Haft, gegen den anderen soll heute am Amtsgericht Perleberg ein beschleunigtes Verfahren stattfinden", informierte Becker.
83 Fahrten unter Drogeneinfluss, sechs unter Alkohol und drei Personen waren ohne Führerschein unterwegs. Von den 140 ermittelten Straftätern seien 85 deutsche Staatsbürger, die anderen sind unter anderem Türken, Skandinavier, Niederländer oder israelische Staatsbürger.
19 Personen wurden zeitweilig in Gewahrsam genommen. Von ausländischen Staatsbürgern verlangte die Polizei in mehreren Fällen Sicherheitsleistungen für zu erwartende bürokratische Kosten. Insgesamt waren das 10 000 Euro.
Nachschubwege nicht entdeckt
Außerdem zog die Polizei 3064 Euro in szenetypischer Stückelung ein. „Bei den Drogen fanden wir keine spektakulären Mengen, die Personen hatten nur kleine Mengen dabei. Es ist uns nicht gelungen, ihre Nachschubwege oder Depots zu entdecken", räumte der Polizeichef ein. Er machte aber auch deutlich, dass längst nicht alle Personen kontrolliert wurden, beispielsweise Fußgänger unbehelligt zwischen Stadt und Festivalgelände pendeln konnten.
In mehreren Fällen habe es eine Zusammenarbeit mit den Veranstaltern gegeben. Beir spielsweise sei eine Frau mit einem Security-Auto der Veranstalter geflüchtet. Zuvor hatte sie versucht, einen Mast zu erklimmen. Erst durch den Einsatz eines Polizeihübschraubers wurde das Auto entdeckt, die Frau konnte entwischen.
Eine in Putlitz aufgegriffene nackte Person wurde ins Kreiskrankenhaus gebracht, aber sie lehnte jede Behandlung ab. Und als eine Schwedin einem Platzverweis nicht nachkam, würde sie ebenfalls von der Polizei in Gewahrsam genommen. „Nach einigen Stunden zeigte sie deutliche Entzugserscheinungen, so dass wir sie ebenfalls ins Krankenhaus brachten", fasste Becker Ereignisse am , Rande zusammen. Er persönlich beurteilte den Einsatz als angemessen. Die Größenordnung sei ähnlich wie bei vergleichbaren Einsätzen in anderen Schutzbereichen. Die Kritik der Putlitzer Stadtverordneten nehme er ernst, eine direkte Stellungnahme lehnte Becker ab: „Ich habe angeboten, persönlich an einer Versammlung teilzunehmen, auch die Staatsanwaltschaft und der Perleberger Direktor des Amtsgerichtes haben ihre Teilnahme angeboten", so Udo Becker. Keinesfalls nehme man die Hinweise auf die leichte Schulter, sei bereit, über Veränderungen nachzudenken. Dass Ortsansässige im kommenden Jahr nicht ständig kontrolliert werden, sei eine denkbareVariante über die man sprechen sollte. |