voov-2005

 

27.07.2005 Ohne Körperverletzung, Raub und Sachschaden

 

Polizei des Schutzbereiches Prignitz zog Bilanz zur "Voov Experience" in Putlitz

PUTLITZ Noch am gestrigen Tage hielten sich einige nimmermüde Gäste der Putlitzer "Voov Experience" auf dem einstigen Festgelände auf, aber auch da sei alles problemlos verlaufen. Das bestätigte auf Nachfrage Pressesprecher Gerhard Sedlak, nachdem die Polizei gestern eine Bilanz aus ihrer Sicht heraus gab. Wie im Vorjahr verlief Deutschlands größte Goa-Party vom 22. bis 25. Juli ohne Sachbeschädigungen und ohne Raubstraftaten. Die große Menschenansammlung ging auch ohne Körperverletzungen aus, wobei es im Vorjahr zwei waren. Nur von geringfügigeren Diebstählen (elf an der Zahl) wird berichtet.

 

Insgesamt konnte durch ein abgestimmtes Handeln von Veranstalter, Ordnungsamt der Kommune und Polizei ein sicherer Verlauf des Festivals garantiert werden. "Uns ging es nicht darum, den Leuten den Spaß zu verderben. Daher haben wir versucht, Kontrollen so schnell und reibungslos wie möglich auszuführen. Aus unserer Sicht waren diese nicht überdimensioniert", so Gerhard Sedlak.

 

Bereits in den vergangenen vier Jahren wurden Goa-Partys durchgeführt, die jedoch in diesem Jahr mit verstärkten polizeilichen Maßnahmen begleitet wurden, heißt es in der Polizeibilanz. Neben gefahrenabwehrenden, ordnungs- und strafrechtlichen Aspekten hat sich die polizeiliche Aufmerksamkeit insbesondere auf den illegalen Handel mit Betäubungsmitteln und die Gefahren beim Führen von Kraftfahrzeugen durch Party-Besucher auf den Abfahrtswegen nach Ende dieser Veranstaltungen gerichtet.

 

Täglich waren täglich rund um die Uhr etwa 70 Beamte im Einsatz. Die Teilnehmerzahl betrug zu Spitzenzeiten etwa 11 000 Personen. Die Polizei registrierte 86 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, davon entfiel über die Hälfte (46) auf das Fahren unter Drogeneinfluss. Im Vorjahr trafen die Beamten auf zehn Personen, die beim Führen von Fahrzeugen unter dem Einfluss von Drogen standen. Allerdings besaßen die Kontrollen nicht ein so großes Ausmaß.

 

Sichergestellt wurden 100 so genannte Konsumeinheiten LSD (eine Konsumeinheit entspricht einer Pille) und 146 Konsumeinheiten Ekstacy. Auch halluzinogene Pilze spielten bei der "Voov" eine Rolle, allerdings in getrockneter Form. 67 Gramm wurden beschlagnahmt. Dazu kamen diverse Mengen an Heroin, Speed, Kokain, Cannabis und Marihuana. Außerdem wurde Bargeld in so genannter szentypischer Stückelung in Höhe von 2062 Euro eingezogen. Auch englische Pfunde, Dollars und Pesos wurden von der Polizei als Sicherheitsleistung verlangt. Es handelt sich dabei um Gelder, die von ausländischen Besuchern eingezogen wurden, wenn sich diese eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat zu Schulden kommen ließen und das Geld als Vorleistung dient, wenn später der Staatsanwalt über die Höhe einer Strafe befindet. hl

 

 

 

Polizei rechtfertigt Einsatz

Bilanz zur Goa-Party/Veranstalter sieht Einsatz als übertrieben an

Putlitz • Gestern reisten die letzten Gäste der Goa-Party ab. Veranstalter und Polizei ziehen ein unterschiedliches Fazit. Während die Beamten ihren Großeinsatz durch die aufgedeckten Rechtsverstöße als Erfolg sehen, sprechen die Veranstalter von überzogenen Maßnahmen.

86 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, davon 46 Fälle Fahren unter Betäubungsmittel. Die Zahl gab die Polizei gestern abschließend bekannt. Zwei Personen wurden auf der Goa-Party verhaftet, 2062 Euro in szenetypischer Stückelung eingezogen und an die Staatskasse überwiesen.

Die Menge der sichergestellten Drogen ist trotz der höheren Besucherzahl und des deutlich größeren Polizeiaufgebots im Vergleich zum Fullmoon-Festival gering: 100 LSD-Konsumeinheiten und 146 Ecstasy-Pillen stehen 3572 LSD bzw. 5415 Ecstasy-Pillen gegenüber. Gefunden wurden auch kleinere Mengen Heroin, Kokain, 132 Gramm Marihuana und 67 Gramm getrocknete Pilze. Beim Fullmoonfestival flog ein Dealer auf, der knapp 4000 Kilogramm Pilze bei sich führte.

Täglich waren rund um die Uhr etwa 70 Beamte im Einsatz. Die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern sei gut verlaufen. "Das wünschen wir uns auch für das nächste Jahr", sagte Polizeipressesprecher Gerhard Sedlack der noch einmal bekräftigte, dass der Einsatz auch nach Auswertung der Veranstaltung gerechtfertigt gewesen sei.

Die starke Polizeipräsenz spürten nicht nur die Festivalbesucher, sondern auch die Veranstalter: "Das Aufgebot beurteilen wir als überdimensioniert, erst recht den Polizeihubschrauber, der Freitagnacht über dem Gelände kreiste", sagte gestern Wolfgang Ahrens.

Klar gebe es Leute, die weder er noch sein Partner Peter Weigert auf dem Festival dabei haben wollen. "Das lässt sich bei mehr als 10000 Besuchern gar nicht verhindern. Aber deswegen darf man das Thema Drogen nicht generalisieren, so als ob unsere Besucher nur hierher kommen, um Drogen zu nehmen", so Ahrens.

Kontrollen rund um die Uhr vor dem Gelände und auf dem Platz selbst – das könne selbst hartgesottenen Goa-Fans den Spaß verderben. "Es gab einen Moment, da habe ich gesagt, das möchte ich nicht noch einmal erleben", gibt Ahrens ehrlich zu. Aber rückblickend überwiegen doch die positiven Eindrücke. "Die Putlitzer sind auf unserer Seite, ich denke wir werden im nächsten Jahr hier wieder gemeinsam feiern."

Das dürfte manch einen freuen. Denn von den rund 500 Crewmitgliedern kommen mittlerweile etwa 50 aus Putlitz und Umgebung. Der anfänglichen Skepsis sei Vertrauen und Freundschaft gewichen. Einen Namen nennt Ahrens immer wieder: Heiko Stammer.

Als nach dem Dauerregen am Mittwoch kein Auto mehr über den Platz fahren konnte, organisierte er schwere Technik. Mit mehreren Lkw-Ladungen Kies, Raupen und Baggern wurde die Fläche wieder befahrbar gemacht. Heikos selbstloser Einsatz war für uns alle eine Riesenhilfe. Danke."

Hanno Taufenbach